Das Dorf Klarestieg

Der Weg zum Dorf

Wenn ein Reisender den Weg nimmt von der Stadt Aachen zur großen Stadt Köln, wird er, so ihm ein Pferde zur Verfügung steht, nach etwa einer halben Tagesreise an eine kleine Niederlassung gelangen, genannt Klarestieg, nach dem schnell fließenden Bach Klare welchen man kurz zuvor über eine Brücke passieren musste und der sich hier aus den bewaldeten Hügeln stürtzt und nach einem Schlenker der Straße parallel lief.
Der Weg ist hier recht gut, da ein Graben angelegt wurde neben der Strasse um diese trocken zu halten. Rechts und links des Weges bewirtschaften die Bauern ihre Kornfelder. Nach Klarestieg nun geht ein Weg nach Süden ab. Dort blickt man in ein offenes kleines Tal welches sich in die schnell aufsteigenden Hügel schmiegt und an dessen Südende von einem hohen Plateau, am Ende der Hügelausläufer, überragt wird. Dem ein oder anderen mag noch bewußt sein dass auf jenem vor einigen Jahren noch das Kloster zu Klarestieg thronte.
Folgt man dem breiten Weg nun, nach Süden die Ost-West-Achse verlassend, vielleicht hundert Schritt an den Feldern entlang so erreicht man ein, bereits gut von dem Hauptweg aus zu sehendes, Gasthaus zur rechten Seite des Weges.

Die Herberge Pilgerhaus

Das große hat ein höheres Stockwerk und ein Dachgeschoss in welchen die Gasträume untergebracht sind - fünf angenehme Einzelzimmer im Stockwerk und einen Schlafsaal auf dem Dachboden mit gut einem dutzend Schlafplätzen (zur not auch einige mehr sicherlich). Im Erdgeschoss kommt der Eintretende allererst in die kleine gemütliche Schenke, von dort führt eine Treppe hinauf zu den Zimmern, hinter der Theke eine Tür in die Küche und eine weitere in die Räume der Wirte und des Gesindes. Von der Küche geht eine Luke in den Lagerkeller des Hauses, aus den Gesinderäumen kommt man auch direkt in den großen Stall welcher direkt an die Herberge angebaut wurde. Das Haus wirkt sehr fest in seiner Steinkonstruktion die, anders als in der Stadt, nicht nach oben hin breiter sondern schmaler wird, auch sind die Fenster eher klein und gedrungen sowie recht hoch gesetzt. Der Stall hingegen fällt nicht durch seine stabile Holzkonstruktion auf, sondern durch seine luxuriöse Größe - man hat augenscheinlich viel platz besonders für den berittenen Gast.

Copyright by corosion studio Die Herberge hat nicht nur einen guten Namen wegen der großzügigen Reiterfreundlichkeit, sondern verfügt auch über eine gepriesene Küche: Vor allem Schweinebraten, als besondere Delikatesse wird aber auch, besonders zu den Fastentagen, frischer Fisch aus den eigenen Fischteichen geboten.
Was nun die ständigen Bewohner der Herberge angeht, leben dort die Witwe des Wirts und deren Tochter welche inzwischen das Haus zusammen mit einer Magd und einem Knecht führt. Ebenso hat hier der Vogt des Dorfes, Julius Wollweber ein geräumiges Zimmer erhalten in dem er sich um das Wohl und Wehe des Dorfes kümmert, was von den Abgaben der Bauern an die Stadt, bis hin zu alltäglichen Entscheidungen bezüglich des Dorflebens langt.
Dazu wird oft im Schankraum der Herberge Versammlung gehalten, bei denen meist alle Bewohner des Dorfes, oder immerhin die meisten, zugegen sind.

Das Dorf an sich

Lässt man nun den großen Platz vor der Herberge, auf dem auch ein eigener Brunnen zu finden ist, hinter sich um dem Weg weiter ins Tal zu folgen gelangt man nach etwa fünfzig weiteren Schritt an ein sehr großes Bauernhaus zu welchem ein kleiner Weg links abgeht. Wäre das anderthalbstöckige Haus (der Dachboden ist ein echtes Dachgeschoss mit eigenen Räumen) nicht so modern in Fachwerkkonstruktion gebaut, so könnte man es ob seiner Größe und Länge beinahe für eines der alten Langhäuser halten wie sie früher so üblich gewesen waren. Hinter dem Haus hört man es laut grunzen, denn dort schließt sich eine weitläufige Schweinezucht an, und so lässt sich auch der Bewohner ableiten: Der örtliche Schweinebauer mit seiner Familie. In seinem Hause wird auch, in einem großen abgeteilten Bereich, gleich geschlachtet und verarbeitet. Der Bauer ist ob seiner großen Schweinezucht einer der wohlhabensten und wichtigsten Männer des Dorfes, er lebt dort zusammen mit seiner Frau ihren vier Kindern, welche natürlich fleißig mithalfen bei den Schweinen, und zwei Knechten.

Schräg gegenüber des Schweinebauern geht der Weg in einen größeren Platz über. An diesem steht das wichtigste Gebäude des Dorfes: Die befestigte Wassermühle. An dieser Stelle machte die Klare einen recht steilen Bogen, als wenn die Mühle sie abprellen lassen würde. Dem war nicht ganz so, denn das massive steinerne Gebäude steht dort nur auf schon vorhandenem und für den Bau günstigem festen Boden auf den die Klare nach ihrem schnellen Sturz von den Hügeln trifft und sich davor staut befor sie sich ihren Weg hindurch in andere Richtung weiterbahnt. An dieser Kurve nun klappert das mächtige Mühlrad unter einer steinernen Brücke welche auf der anderen Bachseite von einer massiven Mauer gestützt und abgeschirmt wird. In der Mauer gibt es ein Tor durch welches man über einen festen Wiesenplatz in den Buchenhain gelangen kann welcher sich an die sumpfigen Bachwiesen dieser Seite des Gewässers anschließt. Dort werden also derweil die Schweine quer durch die Mühle und über die Brücke zur Mast getrieben. Das Mühlgebäude selbst ist ein kompakter aber sehr großer Steinbau welcher ein oberes Stockwerk besitzt und einen großen ebenso hohen Steinspeicher für Korn und Mehl angebaut bekam. Im oberen Stockwerk lebt der Müller, ebenfalls ein sehr wichtiger Dorfbewohner, mit seiner Frau, einem Knecht und drei hübschen blonden Töchtern.
Folgt man dem Weg nach der Mühle nach rechts ab so führt nach dem halben Weg um die Friedhofsmauer herum ein Pfad ab zum Fluss hinunter. Das Gebiet ist durch Holzzaun und Dornenhecke abgetrennt und der Pfad ist nur über ein geschlossenes Tor zu betreten. Am Ende des Pfades steht eine kleine Hütte am Rande eines Tannenhaines hinter dem der Hügel dann besonders steil aufsteigt. In der Hütte haust der einsiedlerische Fischer. Er kümmert sich um die beiden großen Fischteiche die man über Befestigung und Schleuse aus der natürlichen Stauung der Klare abgeleitet hat.

Rechts oberhalb der Mühle führt dann der Weg aus dem Mühlenvorplatz weiter und von dort am alten Friedhof vorbei, hinüber zum zentralen Dorfplatz. Auf dem Weg zu diesem kann man direkt anliegend an den Friedhof ein freies Stück Rasenfläche erkennen, welches fest umzäunt ist. Noch immer lassen sich vage Spuren zwischen den Wildgräsern erkennen, wo sich einst eine kleine Dorfkapelle erhoben hat.
Der Dorfplatz nun wird von einer mächtigen Eiche in seiner Mitte dominiert, etwas entfernt von diesem Baum, doch noch im Schatten seiner Krone, steht der große Dorfbrunnen. Um den Platz herum liegen nahe der Kapelle zwei große Bauernhäuser und gen Dorfende vier etwas kleinere. In diesen guten festen Häusern leben die wohlhabenderen Bauernfamilien des Dorfes, gut vierzig Menschen.
Am Südende des Platzes liegt die Schmiede des Ortes, ein niedriges Steingebäude mit mächtigem Kaminteil. Hinter der Schmiede ist ein größerer Holzschuppen angebaut welcher auch als Stall für den Gaul des Schmiedes genutzt wird. Hinter der Schmiede beginnt bereits die einfassende Hügelkette in bewaldete Höhen aufzusteigen. Die Schmiede wird von einem Meister der Aachener Zunft betrieben, zusammen mit einem Gesellen und einem Lehrling. Neben der Reparatur von Werkzeugen und dem beschlagen der Pferde, gibt es hier sogar die Möglichkeiten Waffen und einfaches Rüstzeug reparieren zu lassen, auch wenn dies nur von den wenigsten Durchreisenden in Anspruch genommen wird.

Im ganzen Dorf sieht man an vielen Häusern Spuren von Ausbesserungen, wenn einige nicht gar in den letzten Jahren gänzlich neu errichtet wurden. Dass diese meist nur bestehende Häuser ersetzten kann man an der gewachsenen Struktur und Ordnung, geprägt durch die Wege und Pfade sehr gut erkennen. Richtete man den Blick auch mal nach oben konnte man erkennen dass auf dem Plateau über dem Dorf ein großes Haus in Form einer Halle errichtet worden war. Der gewundene breite Weg welcher sich am Südende des Dorfes zu diesem hinabschlängelte und von stetiger Nutzung zeugte, offenbarte das Gebäude als Lagerhaus des Dorfes. Ebenso wie einige der anderen Bauten war auch diese Halle erkennbar neueren Datums.

Das Ostende des Dorfes

In Richtung Osten verdünnt sich der Platz zu einem Karrenweg der in Richtung der Felder und des Waldes führt welchen man nach gut zwei Kilometern erreicht. Am Waldrand liegt dann der Neue Friedhof und auch einige Hütten stehen dort noch gruppiert, die meisten jedoch liegen in der nähe des Weges zum Dorfkern aufgereiht. Direkt am Rand zum Wald hin befindet sich ein weiteres der vielen Kornfelder während man auch ringsum immer wieder größere Freiflächen findet auf denen Schafe weiden. Ziegen findet man nur vereinzelt, meist direkt auf kleinen Flächen direkt an den Hütten und Katen.
Es ist dieser Ecke von Klarestieg anzumerken dass sie noch längst nicht so alt ist wie das Zentrum des Dorfes. Die Hütten stehen deutlich enger und überall sieht man Spuren von früheren Hütten die nun abgerissen wurden und dafür andere deutlich vergrößert wurden. Am auffälligsten ist dies an einer größeren Hütte direkt zu Begin des Ostplatzes. Von einem schlichten Zaun umgeben wird diese Hütte umringt von einer stattlichen Zahl an Bienenstöcken, welche vom Zeidler Buliwyf gehütet werden. Dabei wird nur wenig vom Honig an fahrende Händler verkauft. Das meiste davon verwendet der Zeidler zum ansetzen von Met, ein Talent mit dem er sich schon kurz nach seiner Ankunft bei den anderen Bewohnern des Dorfes beliebt gemacht hat.